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Motivation ist keine Voraussetzung für Lernen.

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„Die Kinder sind einfach nicht (mehr) motiviert.”

Diesen Satz (oder eine Abwandlung davon) höre ich immer wieder.

Im Lehrkräftezimmer.
Auf Fortbildungen.
Im Austausch mit Eltern.

Ich kann diese Beobachtung gut nachvollziehen.

Es gibt Kinder, die sich schwertun, in eine Aufgabe zu finden.
Die schnell aufgeben.
Die wenig Interesse zeigen.

Aber ich frage mich oft, ob wir daraus den richtigen Schluss ziehen.

Vielleicht beginnt Lernen gar nicht mit Motivation. Zumindest nicht immer.

Wir behandeln Motivation häufig wie einen Startknopf

Unbewusst denken wir häufig:

Erst muss ein Kind motiviert sein. Dann kann es lernen.

Deshalb suchen wir nach Möglichkeiten, Motivation zu steigern.

  • Wir überlegen, wie Unterricht spannender werden kann.
  • Wie Aufgaben abwechslungsreicher werden.
  • Wie wir Kinder besser “abholen”.

Und jetzt bitte nicht falsch verstehen: All das kann sinnvoll sein. All das sind gute Ansätze um den eigenen Unterricht zu verbessern.

Und trotzdem glaube ich, dass wir Motivation manchmal an die falsche Stelle setzen.

Motivation entsteht oft erst beim Lernen

  • Wenn Kinder erleben, dass sie etwas verstehen.
  • Wenn sie merken, dass sich Anstrengung lohnt.
  • Wenn sie Fehler machen dürfen, ohne Angst zu haben.
  • Wenn sie erleben, dass ihre Ideen ernst genommen werden.
  • Wenn sie Verantwortung übernehmen können.

Dann verändert sich etwas. Nicht von jetzt auf gleich aber Stück für Stück.

Motivation wächst selten aus guten Vorsätzen. Sie wächst aus guten Erfahrungen.

Das erleben wir auch bei Erwachsenen

Die wenigsten Menschen beginnen etwas Neues mit großer Motivation.

Wir fangen trotzdem an.
Wir machen erste Erfahrungen.
Wir merken, dass wir Fortschritte machen.

Und genau daraus entsteht oft die Lust, weiterzumachen. Diese Art Lust, die nachhaltig ist. Die uns auch über lange Zeit „bei der Stange“ hält. Auch dann, wenn es mal schwieriger wird.

Warum sollte das bei Kindern grundsätzlich anders sein?

Was bedeutet das für Schule?

Unser Fokus sollte vielleicht nicht zuerst sein zu Fragen: “Bist du motiviert?”

Sondern:

  • Verstehst du die Aufgabe?
  • Traust du dir den nächsten Schritt zu?
  • Hast du die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen?
  • Erlebst du, dass dein Einsatz einen Unterschied macht?

Denn genau dort entsteht etwas, das sich nicht verordnen lässt.

Motivation.

Mein Fazit

Ich glaube nicht, dass Motivation unwichtig ist.

Im Gegenteil. Sie ist ein wichtiger Teil erfolgreichen Lernens.

Aber sie ist selten die Voraussetzung.

Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber nachdenken, wie wir Kinder motivieren.

Und häufiger darüber, welche Erfahrungen sie jeden Tag in unserer Schule machen.

Denn Motivation wächst dort, wo Kinder erleben, dass Lernen gelingen kann.

Jonas

Gymnasiallehrer an einer IGS, Interesse an digitaler Unterrichtsentwicklung & Mathematikdidaktik. Vater und Hobby-Läufer